Aktuelle Lage

Im Rahmen einer routinemäßigen Monitoring-Untersuchung des Hausgeflügels wurden Anfang Dezember bei einem Geflügelbetrieb im Landkreis Cham Laborbefunde erhoben, die für eine Infektion der Tiere mit dem Erreger der Geflügelpest sprechen. Nach weiterführenden Laboruntersuchungen wurde ein für Vögel niedrig-pathogenes Influenza A- Virus vom Subtyp H5N2 (LPAIV) nachgewiesen. Die zuständige Behörde hat die notwendigen Maßnahmen ergriffen und u. a. eine Bestandsräumung veranlasst.
 
Auch wenn es sich bei dem in dem Geflügelbetrieb festgestellten Erreger um eine niedrig-pathogene Variante des Influenza-Erregers handelt, besteht immer die Gefahr einer „Virus-Wandlung“, verbunden mit einer Pathogenitätssteigerung. Deswegen wurde auch die Keulung des Tierbestandes auf dem betroffenen Geflügelhof vorgenommen. Nach Abschluss der Maßnahme folgen umfangreiche Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten.
 
Zum Schutz aller kommerziellen und privaten Geflügelhaltungen wurde in einem Umkreis von 1000 Metern um das betroffene Anwesen ein Sperrgebiet mit den entsprechenden Restriktionsmaßnahmen eingerichtet. Weitere Betriebe sind derzeit nicht betroffen.
 

Allgemeine Informationen zur Geflügelpest

Die Klassische Geflügelpest ist eine besonders schwer verlaufende Form der Aviären Influenza bei Geflügel (vor allem Hühner und Puten sind betroffen), aber auch bei Wildvögeln, die durch hoch pathogene Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird. Die Krankheit verläuft sehr rasant mit deutlichen Krankheitszeichen und führt innerhalb weniger Tage zum Tod der Tiere.
Die "Vogelgrippe", wie sie auch umgangssprachlich in der Öffentlichkeit genannt wird, kann in Nutzgeflügelbeständen hohe Verluste verursachen und erfordert deshalb frühzeitig Maßnahmen.
Infektionen mit anderen Subtypen als H5 und H7 bleiben dagegen meist ohne gravierende klinische Auswirkungen. Niedrig pathogene Influenzaviren können sich dann allerdings bei Wirtschaftsgeflügel (hier vor allem Hühner und Puten) zur hoch pathogenen Form umwandeln, und wir haben das klinische Bild der Geflügelpest.
Um eine Weiterverbreitung der Seuche auf andere Geflügelbetriebe zu unterbinden, werden nicht nur die erkrankten, sondern auch die ansteckungsverdächtigen Tiere getötet und unschädlich beseitigt.
Wildvögel gelten als Reservoir aviärer Influenza-Viren (AIV). Da diese meist Influenzaviren von geringerer Pathogenität beherbergen, verlaufen Infektionen in der Regel symptomlos und können so unerkannt in den Populationen kursieren. Aber auch hochpathogene Formen verursachen nicht selten keine oder nur eine moderate Klinik bei Wildvögeln.
Die Möglichkeit des Eintrages der AIV in Geflügelbestände durch Wildvögel, insbesondere über den Vogelzug, ist gegeben.
Ein bundesweites Beprobungsprogramm in der Wildvogelpopulation soll den Verbreitungsgrad der Influenzaviren und das daraus resultierende Gefährdungspotential einschätzen helfen.
 

Bayerische Beteiligung am bundesweiten Monitoring

Insgesamt wird die Gefahr des Eintrags von HPAIV H5 über Wildvögel mit der Folge von Geflügelpestausbrüchen und deren schwerwiegenden wirtschaftlichen Konsequenzen als gering bis mäßig eingeschätzt. Mit dem Vogelzug steigt jedoch das Risiko laut Experten.
 
Da zum Infektionsstatus von Zugvögeln in den Herkunftsgebieten vielfach keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, ist eine verstärkte Beprobung zur Zeit des Vogelzuges  besonders angezeigt.
Ein besonderes Augenmerk wird auf die Beprobung klinisch unauffälliger Vögel gelegt (sog. aktives Monitoring). Solche „gesund erlegten“ Vögel werden auch in diesem Jahr wieder beprobt.
Wird im Rahmen der Monitoringuntersuchungen festgestellt, dass ein Vogel mit dem Aviären Influenzavirus infiziert ist, werden weitere Untersuchungen zur Feststellung des Subtyps (H5, H7 etc.) unternommen. Das Referenzlabor im Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems beurteilt anschließend, ob es sich um eine niedrig-pathogene oder eine hoch-pathogene Virusvariante handelt.
Deutschlandweit sollen mindestens 3500 Tiere beprobt werden. Für Bayern wurde ein Probenkontingent von 490 Tieren festgesetzt, wobei eine Beprobung vermehrt in Gebieten und an Wasserflächen, die vom Vogelzug betroffen sind, vorgenommen werden soll.
 
Seit dem 1. September konnten bereits 246 Wildvögel beprobt und einer Untersuchung zugeleitet werden.
 
Menschen sollen einen ungeschützten Kontakt mit infizierten oder erkrankten Tieren durch geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille vermeiden. Grundsätzlich haben alle Influenza A-Viren der Vögel auch das Potential, bestimmte Säugetiere und auch den Menschen zu infizieren. In der Vergangenheit haben sich jedoch nur manche Subtypen als bevorzugt gefährlich für den Menschen erwiesen (z. B. H5N1 od. H7N7). H5N2 ist bislang nicht im Zusammenhang mit gravierenden Infektionen des Menschen in Erscheinung getreten.
 
Das Landratsamt Cham weist daher auch darauf hin, dass von dem gefundenen Erreger keine wesentliche Gefahr für den Menschen ausgeht.
Alle Probennehmer werden gebeten, die generellen, ohnehin empfohlenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Geflügel, Geflügelprodukten auch beim Umgang mit Wildvögeln konsequent einzuhalten.
 
Herzlichen Dank für Ihr Engagement!
 
Mit Waidmannsheil!
 
Bayerischer Jagdverband
Kreisgruppe Neu-Ulm e. V.
 
Christian Liebsch
1. Vorsitzender