Südwestpresse 29. August 2016

Die Wildschweine vermehren sich und mit ihnen die Löcher in Erich Landwehrs Maisfeld - ein Problem das für Nicht-Eingeweihte erst von oben sichtbar wird. Mit Foto- und Videoaufnahmen aus der Luft. AGNES HILGER | 29.08.2016
Die Wildschweine vermehren sich und mit ihnen die Löcher in Erich Landwehrs Maisfeld – ein Problem das für Nicht-Eingeweihte erst von oben sichtbar wird.  Foto:  Christian Wille
 
Es ist ein ganz normales Maisfeld, zumindest auf den ersten Blick. Saftig grün strecken sich die Pflanzen gen Himmel, umgeben von einem kniehohen Zaun. Ein dünnes Seil, das elektrisch geladen ist, soll einen Feind abwehren, der Jägern und Landwirten in den vergangenen Jahren viel Zeit gekostet hat: das Wildschwein. Nachts trampeln die Wildschweine aus dem Wald in dieses Maisfeld zwischen Ludwigsfeld und Senden. Dort fressen sie sich satt und trampeln die Pflanzen kaputt. Schon vom Boden aus sind ein paar große Löcher zu sehen, doch erst aus der Vogelperspektive wird das wahre Ausmaß deutlich. Ein riesiger Teil der Ernte ist auch in diesem Jahr zerstört.
Den Zaun hat der für dieses Gebiet zuständige Jäger Ernst Müller mit Hilfe seines Kollegen Werner Fehmer um das Feld gezogen. Allein das hat drei Tage gedauert. Jeden Tag muss jetzt jemand den Zaun kontrollieren. Das 80 0000 Quadratmeter große Feld umrunden, nachsehen, ob das Seil Strom hat, ob nicht ein Grashalm zu hoch gewachsen ist, sodass er den ganzen Zaun erdet.

Dennoch ist die Sperre keine Garantie für eine wildschwein-freie Zone. „Wenn die Wildschweine auf der Flucht sind, dann nützt der Zaun nichts. Die rennen dann einfach durch“, erklärt Christian Liebsch, erster Vorsitzender des Bayerischer Jagdverbands, Kreisgruppe Neu-Ulm. Landwirt Erich Landwehr hätte gern einen massiveren Zaun für sein Feld, einen, den die energiegeladenen Wildschweine nicht so einfach umreißen könnten. Aber das gäbe Probleme mit dem Naturschutz. „Es wäre nicht schön fürs Landschaftsbild und außerdem wegen der hohen Spannung viel zu gefährlich“, sagt Liebsch. Ständig liefen hier Spaziergänger vorbei. Ein Zaun mit hoher Spannung sei da undenkbar. Der Zaun, den Müller aufgestellt hat, gibt nur kleine Stromschläge ab. Außerdem steht er nur bis der Mais geerntet ist. Deshalb ist er genehmigt.

Auch die Wildschwein-Jagd ist keine Lösung. Eine Treibjagd ist schon allein wegen der Größe des Feldes schwierig: Auf acht Hektar Land hat ein Wildschwein fast immer die Möglichkeit auszuweichen. Bei der Wildschwein-Jagd werden außerdem sehr große Kaliber benötigt, weswegen mit einem riesigen Gefahrenbereich gerechnet werden muss. Im ungünstigsten Fall fliegen die Kugeln sechs Kilometer weit. Das ist zwar sehr unwahrscheinlich, aus Sicherheitsgründen muss aber natürlich mit dieser Reichweite gerechnet werden. „In einer dicht besiedelten Landschaft ist das äußerst gefährlich“, sagt Liebsch. Die nahegelegene B28 ist rund um die Uhr befahren und schon am frühen Morgen wird der Weg von Joggern und Spaziergängern benutzt. Die einzige Möglichkeit, die Tiere zu jagen, ist, von einem Jägerstand aus, bei gutem Mondlicht. „Rund um Vollmond sind wir fast jede Nacht draußen“, erzählt Müller. Landwehr hat als einer der wenigen Landwirte einige Schneisen in sein Feld gemäht. Sie sollen das Jagen erleichtern. Der Mais liefert den Tieren eine perfekte Deckung, wenn sie aber in die offenen Schneisen stürmen, kann der Jäger sie erlegen. Dass Landwirte und Jäger so Hand in Hand arbeiten ist keine Selbstverständlichkeit. „Wir sind froh, dass wir so einen Jäger haben“, sagt Landwehr.

Im Jagdjahr 1998/1999 wurden im Landkreis Neu-Ulm gerade einmal knappe 100 Wildschweine erlegt. Im Jagdjahr 2015/2016 waren es 532. Viele Faktoren haben zu diesem enormen Anstieg in der Population geführt. Eine große Rolle spielt das Klima. „Wenn es einen strengen Winter oder ein nasskaltes Frühjahr gibt, dann ist die Sterblichkeit der Frischlinge sehr hoch“, erklärt Liebsch. Die vergangenen beiden Winter waren sehr mild, sie boten also eine ideale Bedingung für das Überleben des Nachwuchses. Aber selbst wenn nun ein strenger Winter folgt, kann das die Population nicht genügend verringern. „Der Bestand an erwachsenen Tieren ist inzwischen sehr hoch“, sagt Liebsch, „und für die sei auch ein eisiger Winter kein Problem.“

Im vergangenen Jahr wurden im Gebiet Illerholz über 40 Wildschweine geschossen. Das Fleisch essen die Jäger meistens selbst, oder geben es an Freunde weiter. „Wildbret ist sehr mageres Fleisch. Es  hat kaum Fett“, sagt Fehmer. Die Nachfrage nach Wildbret ist zur Zeit trotzdem gering. Die meisten essen vor allem Schwein oder Hähnchen.

Derweil werden die Voraussetzungen für eine Vergrößerung der Population auch abgesehen vom Klima immer besser: Für die Waldstabilität werde in den letzten Jahren immer mehr Laubholz angepflanzt, erklärt Liebsch. Den Tieren liefern diese Eichen Früchte, und in den Feldern finden sie Getreide und Mais, über den die Tiere auch Flüssigkeit aufnehmen. „Der Mais ist reines Kraftfutter für die Tiere. Das ist ein reich gedeckter Tisch“, sagt Liebsch. Hinzu komme noch, dass die Wildschweine keinen natürlichen Feind mehr hätten. So müssen nun Landwehr, Müller und Fehmer die Rolle der natürlichen Feinde übernehmen. Eine Lösung des Konflikts ist nicht absehbar. Müller seufzt und sagt: „Die meisten, die das machen, sind Idealisten.“

Illertisser Zeitung 21. August 2016

Seit Jahren steigt die Zahl der Tiere im Landkreis drastisch an. Viele Landwirte klagen seither über zerstörte Maisfelder. Jäger wollen helfen – stoßen aber an ihre Grenzen. Von Andreas Brücken

Wildsau

Schwarzwild-Population ist in den vergangenen Jahren auch im Landkreis Neu-Ulm drastisch angestiegen. Die Jäger wollen die Zahl der Wildschweine regulieren - allein im vergangenen Jahr erlegten sie 532. Foto: Von Erichsen/dpa

Auf mehreren Quadratmetern sind die Maispflanzen abgeknickt und niedergetrampelt, die Kolben liegen abgenagt dazwischen. Hier war eine Horde Wildschweine am Werk – das steht für Jäger Christian Liebsch sofort fest. Landwirt Erich Landwehr steht daneben und ihm blutet bei diesem Anblick das Herz. Schließlich musste er das Feld bearbeiten, die Pflanzen sähen und düngen. „Das ist viel Arbeit, Geld und Zeit, was hier von den Tieren zerstört wurde“, sagt er und die Verbitterung ist ihm anzusehen. Seit einigen Jahren versuchen im Silberwald Jäger und Landwirt gemeinsam eine Lösung für dieses Problem zu finden – mit durchwachsenem Erfolg, wie der Fall von Erich Landwehr beweist.

Die Lage seines Feldes würde die Tiere förmlich in den Mais treiben, erklärt der zuständige Jäger, Ernst Müller: „Die Wildschweine kommen vom Wald und gehen in das Maisfeld, weil sie hier Nahrung und Deckung finden.“ Doch am östlichen Rand begrenzt die Bundesstraße mit einem Wildzaun den Weg der Tiere. Die Folge: Sie bleiben im Maisfeld und richten noch mehr Schaden an.

Bis vor zehn Jahren habe es im Silberwald noch gar keine Wildschweine gegeben, sagt Müller. Doch das habe sich geändert. Allein im vergangenen Jahr seien in dem Wald zwischen Iller und B28 rund 40 Wildschweine erlegt worden. Im gesamten Landkreis Neu-Ulm waren es im vergangenen Jahr 532 – und damit mehr als sechsmal so viel wie noch vor zehn Jahren. Milde Winter (so konnten mehr Frischlinge überleben) und der zunehmende Anbau von Mais hätten die Population des Schwarzwildes drastisch ansteigen lassen, sagen Müller und Liebsch unisono.

Die Jäger sehen nun ihre Aufgabe darin, die Anzahl der Tiere zu regulieren. Doch das ist offenbar gar nicht so einfach. Die Wildschweine mit dem Gewehr zu erlegen, sei speziell auf dem Landwehr-Feld zu riskant, sagt Jäger Müller. Schließlich müssten die oftmals mehrere Zentner schweren Tiere mit großkaliberiger Munition gejagt werden, die auch eine Gefahr für Spaziergänger oder vorbeifahrende Autos sein könnten. Daher lässt Landwirt Landwehr mittlerweile zwei sogenannte Jagdschneisen im Feld frei. Dort haben die Jäger vom Hochstand aus freie Sicht.

Damit die Tiere gar nicht erst in das Dickicht des rund acht Hektar großen Maisfeldes kommen, ist dieses seit einigen Jahren mit einem Elektrozaun umrandet. Eine Möglichkeit, die jedoch viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen würde, wie Müller sagt. Schließlich dürften die Drähte nicht von Gras oder Unkraut eingewachsen werden, weil sonst die Pflanzen die Spannung ableiten würden. Regelmäßig geht der Jäger deshalb mit der Motorsense den Feldrand ab, um ein Überwuchern des Zaunes zu verhindern. Auch seien die Zäune oft niedergetrampelt: „Wenn eine 150-Kilo-Bache in Panik wegrennt, lässt sie sich auch von einem Stromschlag nicht aufhalten.“ Darum macht sich Müller täglich auf einen Rundgang um das Feld, um den Zaun bei Bedarf wieder aufzurichten. „Mit der romantischen Vorstellung von einem Jäger, der mit dem Gewehr durch den Wald streift und alles erlegt, was ihm vor die Flinte kommt, hat das freilich nichts zu tun“, sagt Müller.

Im Gegensatz zu dieser Vorstellung, wie sie wohl in Teilen der Bevölkerung vorhanden sei, bedeute seine Jagdpacht ständige Hegearbeit des Reviers und Verpflichtungen gegenüber den strengen Vorgaben des Gesetzgebers. „Man braucht schon viel Idealismus für diese Arbeit, die von den Jägern ehrenamtlich geleistet wird.“

Dazu komme das finanzielle Risiko, wie Christian Liebsch, Vorsitzender des Jagdverbandes im Landkreis Neu-Ulm, sagt. Denn der Jagdpächter müsse für die Schäden, die durch die Wildtiere entstehen würden, aufkommen. „Es gibt keine Möglichkeit, sich gegen Wildschäden zu versichern“, sagt Liebsch. Das sei ein unkalkulierbares Kostenrisiko für die Jäger, weshalb man seit einigen Jahren dazu übergegangen sei, die Ersatzpflicht zu deckeln oder zu teilen. Dadurch sei eine bessere Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern entstanden, die nun ein gemeinsames Interesse an der Schadensvermeidung haben.“ So wie im Silberwald bei Ludwigsfeld.

Auf mehreren Quadratmetern sind die Maispflanzen abgeknickt und niedergetrampelt, die Kolben liegen abgenagt dazwischen. Hier war eine Horde Wildschweine am Werk – das steht für Jäger Christian Liebsch sofort fest. Landwirt Erich Landwehr steht daneben und ihm blutet bei diesem Anblick das Herz. Schließlich musste er das Feld bearbeiten, die Pflanzen sähen und düngen. „Das ist viel Arbeit, Geld und Zeit, was hier von den Tieren zerstört wurde“, sagt er und die Verbitterung ist ihm anzusehen. Seit einigen Jahren versuchen im Silberwald Jäger und Landwirt gemeinsam eine Lösung für dieses Problem zu finden – mit durchwachsenem Erfolg, wie der Fall von Erich Landwehr beweist.

Die Lage seines Feldes würde die Tiere förmlich in den Mais treiben, erklärt der zuständige Jäger, Ernst Müller: „Die Wildschweine kommen vom Wald und gehen in das Maisfeld, weil sie hier Nahrung und Deckung finden.“ Doch am östlichen Rand begrenzt die Bundesstraße mit einem Wildzaun den Weg der Tiere. Die Folge: Sie bleiben im Maisfeld und richten noch mehr Schaden an.

Bis vor zehn Jahren habe es im Silberwald noch gar keine Wildschweine gegeben, sagt Müller. Doch das habe sich geändert. Allein im vergangenen Jahr seien in dem Wald zwischen Iller und B28 rund 40 Wildschweine erlegt worden. Im gesamten Landkreis Neu-Ulm waren es im vergangenen Jahr 532 – und damit mehr als sechsmal so viel wie noch vor zehn Jahren. Milde Winter (so konnten mehr Frischlinge überleben) und der zunehmende Anbau von Mais hätten die Population des Schwarzwildes drastisch ansteigen lassen, sagen Müller und Liebsch unisono.

Die Jäger sehen nun ihre Aufgabe darin, die Anzahl der Tiere zu regulieren. Doch das ist offenbar gar nicht so einfach. Die Wildschweine mit dem Gewehr zu erlegen, sei speziell auf dem Landwehr-Feld zu riskant, sagt Jäger Müller. Schließlich müssten die oftmals mehrere Zentner schweren Tiere mit großkaliberiger Munition gejagt werden, die auch eine Gefahr für Spaziergänger oder vorbeifahrende Autos sein könnten. Daher lässt Landwirt Landwehr mittlerweile zwei sogenannte Jagdschneisen im Feld frei. Dort haben die Jäger vom Hochstand aus freie Sicht.

Damit die Tiere gar nicht erst in das Dickicht des rund acht Hektar großen Maisfeldes kommen, ist dieses seit einigen Jahren mit einem Elektrozaun umrandet. Eine Möglichkeit, die jedoch viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen würde, wie Müller sagt. Schließlich dürften die Drähte nicht von Gras oder Unkraut eingewachsen werden, weil sonst die Pflanzen die Spannung ableiten würden. Regelmäßig geht der Jäger deshalb mit der Motorsense den Feldrand ab, um ein Überwuchern des Zaunes zu verhindern. Auch seien die Zäune oft niedergetrampelt: „Wenn eine 150-Kilo-Bache in Panik wegrennt, lässt sie sich auch von einem Stromschlag nicht aufhalten.“ Darum macht sich Müller täglich auf einen Rundgang um das Feld, um den Zaun bei Bedarf wieder aufzurichten. „Mit der romantischen Vorstellung von einem Jäger, der mit dem Gewehr durch den Wald streift und alles erlegt, was ihm vor die Flinte kommt, hat das freilich nichts zu tun“, sagt Müller.

Im Gegensatz zu dieser Vorstellung, wie sie wohl in Teilen der Bevölkerung vorhanden sei, bedeute seine Jagdpacht ständige Hegearbeit des Reviers und Verpflichtungen gegenüber den strengen Vorgaben des Gesetzgebers. „Man braucht schon viel Idealismus für diese Arbeit, die von den Jägern ehrenamtlich geleistet wird.“

Dazu komme das finanzielle Risiko, wie Christian Liebsch, Vorsitzender des Jagdverbandes im Landkreis Neu-Ulm, sagt. Denn der Jagdpächter müsse für die Schäden, die durch die Wildtiere entstehen würden, aufkommen. „Es gibt keine Möglichkeit, sich gegen Wildschäden zu versichern“, sagt Liebsch. Das sei ein unkalkulierbares Kostenrisiko für die Jäger, weshalb man seit einigen Jahren dazu übergegangen sei, die Ersatzpflicht zu deckeln oder zu teilen. Dadurch sei eine bessere Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern entstanden, die nun ein gemeinsames Interesse an der Schadensvermeidung haben.“ So wie im Silberwald bei Ludwigsfeld.

Illertisser Zeitung 19. August 2016

Alban Haggenmiller aus Oberhausen züchtet Jagdhunde. Seine Münsterländerin räumt reihenweise Titel ab. Das hat mit Ahnenforschung zu tun: Was hinter dem Erfolg steckt.

Wäre Kitty von der Katzenlohe eine Frau, würde sich ihre Kontaktanzeige wie folgt lesen: jung, vollkommener Körperbau, harmonisches Wesen, glänzendes Haar, mit gutem Riecher, stets auf Beuteschau, kurzum: Gene, die das Prädikat vorzüglich verdienen. Sie könnte sich vor Verehrern wohl kaum retten. Da Kitty von der Katzenlohe aber ein Hund ist, genauer ein Kleiner Münsterländer, hat sie vor allem ein Herz erobert: das von Alban Haggenmiller, ihrem Herrchen. Der Oberhauser ist Hundezüchter. Gemeinsam mit seiner Frau hat er dafür gesorgt, dass die 19 Monate junge Jagdhündin Auszeichnungen abräumt – weil sie ist, wie sie ist.

Züchter sein, dass ist kein Sport oder Zeitvertreib, das ist Passion, sagt Haggenmiller. Mit Vorliebe schmökert der ehemalige Mitarbeiter der Weißenhorner Stadtverwaltung in Jahrbüchern. Auf über 400 Seiten sind alle Würfe eines Jahres aufgelistet, mitsamt Merkmalen. Mithilfe eines Computerprogramms lässt sich ergründen, welchen Rüden man mit welcher Hündin kreuzen könnte, um Welpen mit möglichst guten Anlagen auszustatten. Die Mendelschen Regeln und Ahnenforschung spielen dabei eine Rolle. Kittys Stammbaum kann Haggenmiller bis in die frühen 1970er Jahre zurückverfolgen.

Zu dieser Zeit begann sein Interesse für Jagdhunde und deren Züchtung. „Ich hatte einen Kleinen Münsterländer zur Pflege, weil sein Besitzer krank war“, erinnert der Rentner sich, „im Jahr drauf habe ich mir selbst einen geholt, einen der ersten in der Region“. Damals sei der Landkreis Neu-Ulm noch ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen, was Zucht anbelangt. Heute sind Züchter aus nah und fern in Verbänden organisiert und vernetzt. Es gibt eine Zuchtkommission, einen Zuchtbuchführer, einen Zuchtwart – und natürlich die Zuchtschauen. Eine solche fand kürzlich in Weißenhorn statt, Kitty von der Katzenlohe erklomm das Podest.

Die Motivation des Züchtens sei es aber in erster Linie nicht, Preise zu ergattern: „Ziel ist es, dem Jäger einen guten Jagdhund zu verkaufen. Auch wenn Erfolgserlebnisse natürlich schon schön sind“, sagt Haggenmiller. Er habe schon Welpen an Jäger in Frankreich und Südtirol verkauft. Um die 1000 Euro bekomme er pro Welpe, das meiste Geld gehe jedoch für den Tierarzt und die Prüfungsgebühren drauf.

Denn erst Prüfungen zeigten, wie leistungsstark und gesund ein Hund ist. Bei der Verbandsjugendprüfung etwa gehen Richter, Züchter und Jäger im Frühjahr auf die Fluren und testen die Anlagen eines jungen Hundes. Die Kategorien heißen etwa Spur, Führigkeit oder Arbeitsfreude. Es gehe darum, wie gut ein Hund Beute wittern kann, wie sehr er sich vom Jäger lenken lässt oder Eigeninitiative zeigt. „Kitty hat sehr gute 72 Punkte erreicht“, erzählt der 69-Jährige stolz. Im Herbst werde dann im Roggenburger Wald geprüft, wie gut das Apportieren und die Jagd im Wasser klappt.

Bleibt zu klären, wie die Namen der Hunde zustande kommen, die an Adelsdynastien erinnern: Der erste Wurf einer Zuchthündin ist der A-Wurf, folglich beginnt der Vorname der Welpen mit A. Kitty, ein K-Wurf, verdankt ihren Namen Haggenmillers Enkelkind. „Sie hat gesagt: Der Welpe ist so klein, wie ein Kätzchen. Wie das von Hello Kitty.“ Der Zusatz – von der Katzenlohe – ist auf einen Wald zwischen Bubenhausen und Weißenhorn zurückzuführen. „Katzen kommt von hatzen, also hetzen. Lohe bedeutet Grenze. Der Wald war Jagdgrenze“, erklärt Haggenmiller. Auch er selbst jagt seit Jahren, Trophäen schmücken die Wände seines Hauses. Ob Kitty auch Züchthündin wird wie ihre verstorbene Mutter Bella von Oberwiese und deren sieben Vorgängerinnen: „Mal schauen.“

Illertisser Zeitung 18. August 2016

Die Wildschwein-Population ist in den vergangenen Jahren im Landkreis Neu-Ulm drastisch angestiegen. Die damit verbundenen Probleme lassen sich nicht alle lösen. Von Andreas Brücken

Auf mehreren Quadratmetern sind die Maispflanzen abgeknickt und niedergetrampelt, die Kolben liegen abgenagt dazwischen. Hier war eine Horde Wildschweine am Werk – das steht für Jäger Christian Liebsch sofort fest. Landwirt Erich Landwehr steht daneben und ihm blutet bei diesem Anblick das Herz. Schließlich musste er das Feld bearbeiten, die Pflanzen sähen und düngen. „Das ist viel Arbeit, Geld und Zeit, was hier von den Tieren zerstört wurde“, sagt er und die Verbitterung ist ihm anzusehen. Seit einigen Jahren versuchen im Silberwald Jäger und Landwirt gemeinsam eine Lösung für dieses Problem zu finden – mit durchwachsenem Erfolg, wie der Fall von Erich Landwehr beweist.

Nahrung und Deckung im Maisfeld

Die Lage seines Feldes würde die Tiere förmlich in den Mais treiben, erklärt der zuständige Jäger, Ernst Müller: „Die Wildschweine kommen vom Wald und gehen in das Maisfeld, weil sie hier Nahrung und Deckung finden.“ Doch am östlichen Rand begrenzt die Bundesstraße mit einem Wildzaun den Weg der Tiere. Die Folge: Sie bleiben im Maisfeld und richten noch mehr Schaden an.

Bis vor zehn Jahren habe es im Silberwald noch gar keine Wildschweine gegeben, sagt Müller. Doch das habe sich geändert. Allein im vergangenen Jahr seien in dem Wald zwischen Iller und B28 rund 40 Wildschweine erlegt worden. Im gesamten Landkreis Neu-Ulm waren es im vergangenen Jahr 532 – und damit mehr als sechs mal so viel wie noch vor zehn Jahren. Milde Winter (so konnten mehr Frischlinge überleben) und der zunehmende Anbau von Mais hätten die Population des Schwarzwildes drastisch ansteigen lassen, sagen Müller und Liebsch unisono.

Jagdschneisen im Feld bleiben frei

Die Jäger sehen nun ihre Aufgabe darin, die Anzahl der Tiere zu regulieren. Doch das ist offenbar gar nicht so einfach. Die Wildschweine mit dem Gewehr zu erlegen, sei speziell auf dem Landwehr-Feld zu riskant, sagt Jäger Müller. Schließlich müssten die oftmals mehrere Zentner schweren Tiere mit großkaliberiger Munition gejagt werden, die auch eine Gefahr für Spaziergänger oder vorbeifahrende Autos sein könnten. Daher lässt Landwirt Landwehr mittlerweile zwei sogenannte Jagdschneisen im Feld frei. Dort haben die Jäger vom Hochstand aus freie Sicht.

Damit die Tiere gar nicht erst in das Dickicht des rund acht Hektar großen Maisfeldes kommen, ist dieses seit einigen Jahren mit einem Elektrozaun umrandet. Eine Möglichkeit, die jedoch viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen würde, wie Müller sagt. Schließlich dürften die Drähte nicht von Gras oder Unkraut eingewachsen werden, weil sonst die Pflanzen die Spannung ableiten würden. Regelmäßig geht der Jäger deshalb mit der Motorsense den Feldrand ab, um ein Überwuchern des Zaunes zu verhindern. Auch seien die Zäune oft niedergetrampelt: „Wenn eine 150-Kilo-Bache in Panik wegrennt, lässt sie sich auch von einem Stromschlag nicht aufhalten.“ Darum macht sich Müller täglich auf einen Rundgang um das Feld, um den Zaun bei Bedarf wieder aufzurichten. „Mit der romatischen Vorstellung von einem Jäger, der mit dem Gewehr durch den Wald streift und alles erlegt, was ihm vor die Flinte kommt, hat das freilich nichts zu tun“, sagt Müller.

"Viel Idealismus für diese Arbeit"

Im Gegensatz zu dieser Vorstellung, wie sie wohl in Teilen der Bevölkerung vorhanden sei, bedeute seine Jagdpacht ständige Hegearbeit des Reviers und Verpflichtungen gegenüber den strengen Vorgaben des Gesetzgebers. „Man braucht schon viel Idealismus für diese Arbeit, die von den Jägern ehrenamtlich geleistet wird.“

Dazu komme das finanzielle Risiko, wie Christian Liebsch, Vorsitzender des Jagdverbandes im Landkreis Neu-Ulm, sagt. Denn der Jagdpächter müsse für die Schäden, die durch die Wildtiere entstehen würden, aufkommen. „Es gibt keine Möglichkeit, sich gegen Wildschäden zu versichern“, sagt Liebsch. Das sei ein unkalkulierbares Kostenrisiko für die Jäger, weshalb man seit einigen Jahren dazu übergegangen sei, die Ersatzplicht zu deckeln oder zu teilen. Dadurch sei eine bessere Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jäger entstanden, die nun ein gemeinsames Interesse an der Schadensvermeidung haben.“ So wie im Silberwald bei Ludwigsfeld.