Liebe Jägerinnen und Jäger,
 

es ist immer das gleiche Muster: Es muss schnell gehen, der Landwirt macht Druck wegen der Wildschweine und es ist schwierig genug, kurzfristig noch ein paar gute Schützen zu finden, die sich rund um das Maisfeld stellen. 

Doch Halt! So geht es nicht. Was dabei herauskommen kann, haben die schrecklichen Ereignisse der letzten Wochen gezeigt. Einfach mit ein paar Jägern ein Feld umstellen, muss tabu sein. Die Erntejagd ist eine der anspruchsvollsten Formen der Gesellschaftsjagd, die ganz besonders sorgfältig organisiert werden muss. 

Sicherheit vor Jagderfolg – Tipps zur Unfallverhütung bei der Erntejagd:

Rechtzeitig planen

Sprechen Sie mit den Landwirten im Vorfeld ab, welche „Sauenschläge“ im Revier dieses Jahr während der Ernte bejagt werden sollen. Dann müssen Sie dafür nicht auf den letzten Drücker Stände und Schützen organisieren. Zur Planung gehört auch, Warnschilder an Straßen aufzustellen und Pferde- und Viehhalter im Jagdgebiet zu informieren. 


Unfallverhütung und Sicherheit

Wie bei jeder anderen Drückjagd auch, gelten die Regeln für die Durchführung einer Gesellschaftsjagd. Das heißt, Sie brauchen 

  • Einen Jagdleiter
  • Tragen Sie Warnwesten, damit Sie gut und weithin sichtbar sind.
  • Waffen dürfen nur am Stand geladen werden
  • Der Stand darf erst am Ende der Jagd wieder verlassen werden
  • Es darf nie ins Feld geschossen werden, nur nach außen!
  • Es darf nicht in Richtung von Siedlungen, Straßen oder Radwegen geschossen werden
  • Die Schussabgabe darf generell nur erfolgen, wenn niemand zu Schaden kommen kann. Das heißt, vor jedem Schuss muss der Jäger kontrollieren, dass niemand joggt, fährt, reitet oder sich in der Schussrichtung aufhält. 
  • Wichtig ist ein ausreichender Sicherheitsabstand zu den Erntefahrzeugen
  • Der Schusswinkel zum Nachbarschützen muss größer als 30 Grad sein

Kugelfang

Als Kugelfang gilt nur gewachsener Boden. Das heißt, der Schuss muss immer Richtung Boden abgegeben werden, damit die Kugel sicher abgefangen wird. Schützen, die ebenerdig am Boden stehen, haben kaum einen ausreichenden Kugelfang. 

Deshalb sollten sie für die Erntejagd entsprechende Drückjagdböcke aufstellen, die eine Abschusshöhe von mindestens drei bis vier Metern bieten. 

Die Begrenzung des Schussfeldes durch den Jagdleiter und das Verbot von Flintenlaufgeschossen tragen wesentlich zur Sicherheit auf der Erntejagd bei. 


Wie weit darf ich schießen? 

Generell gilt: Keine weiten Schüsse auf der Erntejagd !!

  • Ein Jäger am Boden mit Abschusshöhe von 1,70 Metern erreicht den „sicheren“ Aufprallwinkel von zehn Grad nach 10 Metern. Das heißt, er kann höchstens 10 Meter weit schießen, um noch einen sicheren Kugelfang zu haben.
  • Jeder zusätzliche Meter Abschusshöhe bedeutet, er kann 5,50 Meter weiter schießen
  • Steht der Jäger auf einem Drückjagdbock von 1,50 Höhe kann er rund 17 Meter weit schießen
  • Steht der Jäger auf einem Drückjagdbock von drei Metern Höhe kann er 26 Meter weit schießen usw.
 
Auf gute Schützen kommt es an

Für die Erntejagd sollte man sich auch im Voraus Gedanken machen, welche Schützen man einladen will. Nicht geeignet sind

  • Jäger mit locker sitzendem Finger, die schnell einmal vom Jagdfieber gepackt werden und sich in kritischen Situationen nicht im Griff haben
  • Jungjäger ohne ausreichende Erfahrung auf Bewegungsjagden
  • Jäger ohne passende Ausrüstung
  • Jäger die auf Grund von Alter oder körperlicher Gebrechen nicht in der Lage sind, schnell und präzise zu reagieren. 


Wie viele Schützen sollen es sein?

So wenig Schützen wie möglich. Fernwechsel besetzen, immer vom Feld weg. Die Seiten vom Feld, an denen Gefährdungen drohen, nicht besetzen, auch wenn so das eine oder andere Wildschwein durch geht. 

Mit Waidmannsheil!
Bayerischer Jagdverband
Kreisgruppe Neu-Ulm e. V.
Christian Liebsch
1. Vorsitzender